Ich kann gar nicht so recht sagen, warum mich die Erkrankung Krebs so fasziniert. Ich lese Bücher über sie, ich beschäftige mich mit ihr, obwohl dem lieben Gott sei Dank keiner meiner Freunde oder Familienmitglieder gerade an Krebs erkrankt ist.
In meiner Familie ist nur eine Tante an Krebs gestorben, aber dieser war anscheinend nicht genetisch, sondern durch die Lebensumstände bedingt.
Aber da haben wir es, jeder hat jemanden in der Familie, der an dieser Krankheit leidet oder gestorben ist oder kennt zumindest jemanden, der dieses schwere Los tragen muss.
Krebs ist die Seuche des 20. und 21. Jahrhunderts und ich muss sagen, ich habe mehr Angst vor einem Tumor als vor einer HIV-Infektion. Es gibt so viele verschiedene Krebsarten, die auch vor jungen Menschen nicht zurückschrecken und diese teils ganz plötzlich und tragisch aus dem Leben reißen. Gibt es eine Krankheit, die mehr Schmerz in unsere Herzen bringt?
Letztens war ich auf Facebook auf einer Seite einer Frau unterwegs, die Mitte 20 ist, ein Kind hat und Brustkrebs hat, der leider schon überall und in beiden Lungeflügeln Metastasen gestreut hat. Die Ärzte sagen, sie können nichts mehr tun und dass die Behandlungen nur lebensverlängernd sind, aber sie nicht heilen werden.
Dort habe ich durch Zufall eine Frau aus Bosnien kennengelernt, sie heißt Almira und ist auch 36 wie ich. Ihre Tochter ist vor 2 Monaten an einem ganz bösartigen Knochenkrebs verstorben.
Sie hat es gerade einmal geschafft, 18 zu werden und hat seit ihrem 15. Lebensjahr gegen den Krebs gekämpft und hatte noch Pläne, sie war nicht bereit, zu gehen.
Almira wurde in dieser Zeit mit ihrem 3. Kind schwanger, kümmerte sich trotz Schwangerschaft und Geburt rührend um ihre Tochter und nahm sogar das Baby zu den Chemotherapien mit.
Ihre ersten zwei Kinder hat sie alleine groß gezogen und als sie dachte, sie hat den Mann für´s Leben gefunden, bekam ihre Tochter die Diagnose und alles stürzte wieder über ihr zusammen. Sie hat aufgrund der schweren Zeit, die sie hinter sich hat, kaum mehr Freunde, da sie für sie keine Zeit hatte, sie ist seit dem Tod ihrer Tochter meistens daheim und versucht wenigstens für das Kleinkind da zu sein. Eine Therapie kann sie nicht machen, weil sie noch zu traumatisiert ist.
Trotzdem hat sie sich mir geöffnet und ich merke, dass sie ein Ohr zum Zuhören braucht oder einfach jemanden, der da ist. Ich habe ihr meine Telefonnummer gegeben, falls sie reden möchte, aber sie ruft nicht an, um nicht zu stören und um mich nicht mit ihrer Trauer zu belästigen, aber verdammt seit diesem Jahr weiß ich nur zu gut, was Trauer ist, auch wenn ich den Verlust des Vater nie mit dem Verlust eines Kindes gleichsetzen würde.
Jetzt glaube ich daran, dass man für Menschen da sein sollte, auch wenn es Fremde sind, manchmal tut auch das gut, manchmal braucht man Menschlichkeit, einfach ein Zeichen, dass es auf dieser trostlosen Welt in so einer Situation auch noch Wärme und Mitgefühl gibt.
Ich habe deshalb eine kleine Bitte an euch. Ich habe Almiras Adresse und wollte ihr eine Karte schreiben. Was haltet ihr davon, wenn ihr ihr auch eine Botschaft schickt, einen Hoffnungssschimmer, ein paar tröstende Zeilen (Serbokroatisch oder Deutsch)? Schickt sie per Mail (mit eurem Vornamen als Unterschrift, das reicht) an mich:
sp@verbastyle.de
und ich werde alles ausdrucken und ihr zusammen mit Blumen schicken.
Ich glaube daran, dass auch kleine Gesten zur Heilung beitragen können.
Gerne werde ich berichten, was sie dazu sagt.
Danas nisam ni izasla iz kuce, schrieb sie mir vorhin.
Bitte macht mit, damit sie irgendwann.......in weiter Ferne........irgendwann wieder gerne aus dem Haus geht.
Ich danke.
Snjezana